Glossar
Die Begriffe der Zeitwirtschaft, ohne Lehrbuchsprache.
45 Begriffe, die in Angeboten, Studien und Tarifgesprächen vorkommen — kurz erklärt. Die REFA-Definitionen sind sinngemäß wiedergegeben, nicht vereinfacht.
A
Akkordlohn
ENTLOHNUNG
Entlohnungsgrundsatz, bei dem der Lohn anforderungs- und leistungsabhängig differenziert wird; Leistungskennzahl ist die beeinflussbare Mengenleistung bzw. der Zeitgrad. Voraussetzung: vorherbestimmbarer Ablauf, reproduzierbare Vorgabezeiten und eine vom Menschen beeinflussbare Mengenleistung. Gibt eine Maschine den Takt vor, ist die Arbeit nicht akkordfähig.
B
Betriebsmittel
ARBEITSSYSTEM
Alle Anlagen, Maschinen und Geräte, die an der Arbeitsaufgabe direkt oder indirekt beteiligt sind. Mensch, Betriebsmittel und Arbeitsorganisation zusammen bestimmen die Kapazität des Arbeitssystems.
D
Durchlaufzeit
AUFTRAGSSICHT
Die Zeit vom Auftragsstart bis zur Fertigstellung — meist überwiegend Liegen und Warten, nicht Bearbeiten.
E
ERA
TARIF
Entgelt-Rahmenabkommen zwischen IG Metall und Gesamtmetall. Hebt die Trennung zwischen Lohn- und Gehaltsempfängern in der Metall- und Elektroindustrie auf. Erster Tarifvertrag 2003 in Baden-Württemberg.
F
F-Zeit
STÖRUNGEN
Fallweise auftretende Zeiten: alle während der Aufnahme anfallenden Zeiten für zusätzliche Tätigkeiten und für Ausfälle durch länger dauernde, außergewöhnliche Ablaufstörungen.
G
Grundzeit (tg)
MESSWERT
Die gemessene Ist-Zeit, multipliziert mit dem Leistungsgrad — also auf Normalleistung bezogen, noch ohne Verteilzeiten.
Gruppenakkord
ENTLOHNUNG
Akkordentlohnung, die sich nicht auf eine Person, sondern auf eine Gruppe von Beschäftigten bezieht.
Gruppenarbeit
ORGANISATION
Arbeitsorganisatorisches Konzept: Eine Gruppe regelt die interne Aufgabenverteilung für einen abgegrenzten Aufgabenbereich selbstständig.
H
Herstellkosten
KOSTENRECHNUNG
Summe aus Materialkosten (Einzel- und Gemeinkosten) und Fertigungskosten (Einzel-, Gemein- und Sondereinzelkosten der Fertigung).
Hundertstelminute
EINHEIT
Messeinheit der Zeitaufnahme: 1/100 Minute, also 0,6 Sekunden. Rechnet sich sauberer als Sekunden.
I
Industrial Engineering
BERUFSFELD
Heute üblicher Begriff für das frühere Arbeitsingenieurwesen. Das Anwendungsfeld hat sich über die klassische Arbeitsgestaltung hinaus deutlich erweitert.
IST-Zeit
MESSWERT
Die tatsächlich benötigte Zeit für eine Tätigkeit, ohne Zuschläge und ohne Leistungsbewertung.
K
Kalkulation
KOSTENRECHNUNG
Methodische Zuordnung von Kosten auf den Kostenträger oder eine Einheit davon — zur Preisermittlung und zur Kontrolle.
Quelle: REFA
L
Leistungsgrad
BEURTEILUNG
Verhältnis der beeinflussbaren Ist-Mengenleistung zur Bezugsmengenleistung, in Prozent. Damit wird aus einer Messung ein vergleichbarer Wert.
Leistungslohn
ENTLOHNUNG
Sammelbegriff für Akkord- und Prämienlöhne: vergütet wird die Leistung, nicht die Anwesenheit.
Lohnkosten
KOSTENRECHNUNG
Summe aller lohnbezogenen Ausgaben, die in einem Zeitraum an oder für Arbeitnehmer gezahlt werden.
M
Mehrstellenarbeit
ABLAUFART
Eine Arbeitsaufgabe wird mit mehreren gleichzeitig eingesetzten Betriebsmitteln oder Stellen erfüllt. REFA unterscheidet regelmäßige, unregelmäßige, zeitgleiche und zeitungleiche Mehrstellenarbeit.
MTM
VERFAHREN
Methods-Time Measurement, deutsch Arbeitsablauf-Zeitanalyse: Methode zur Analyse von Arbeitsabläufen, gehört zu den Systemen vorbestimmter Zeiten.
Multimomentaufnahme
VERFAHREN
Viele kurze Stichproben statt Dauerbeobachtung. Zeigt die Auslastung ganzer Bereiche statistisch gesichert.
N
Normalleistung
BEZUGSGRÖSSE
Bewegungsausführung, die in Einzelbewegungen, Bewegungsfolge und Koordinierung harmonisch und ausgeglichen wirkt. Sie kann von jeder geeigneten, geübten und eingearbeiteten Person im Mittel der Schichtzeit erbracht werden.
Quelle: REFA
O
ORTIM
SOFTWARE
ORTIM Industrial Engineering Deutschland GmbH, Kiel — Hersteller der Aufnahmegeräte und Software, mit denen ich vor Ort erfasse.
P
PI-Methode
VERFAHREN
Produktiv-Investiv-Methode (PI-Methode®).
Planzeit
WIEDERVERWENDBAR
Auf bestimmte Ablaufabschnitte bezogene Sollzeit, über Einflussgrößen wie Länge oder Stückzahl beschrieben und damit auf neue Teile übertragbar. Die Einflussgrößen werden in der Regel per Regressionsrechnung ermittelt.
Produktionskosten
KOSTENRECHNUNG
Andere Bezeichnung für Herstellkosten.
Produktivität
KENNZAHL
Mengenverhältnis zwischen dem Output und den dafür eingesetzten Produktionsfaktoren (Input).
Q
Qualitätsmanagement
ORGANISATION
Alle organisierten Maßnahmen zur Verbesserung von Produkten, Prozessen oder Leistungen.
R
REFA-Methodenlehre
GRUNDLAGE
Das Methodenbündel des REFA-Verbandes für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmensentwicklung. Grundlage jeder Zeitaufnahme, die ich durchführe.
REFA-Verband
INSTITUTION
Gemeinnützige Organisation zur Förderung von Wissenschaft und Bildung in Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmensentwicklung.
Rüsten
TÄTIGKEIT
Ein Betriebsmittel für einen Arbeitsvorgang einrichten — Werkzeuge bestücken, Parameter setzen — und anschließend wieder in den ungerüsteten Zustand zurückversetzen.
Rüstzeit
MESSWERT
Die Zeit vom letzten Gutteil des alten Auftrags bis zum ersten Gutteil des neuen — Werkzeug wechseln, einrichten, einfahren, prüfen. Sie fällt je Auftrag einmal an, unabhängig von der Losgröße, und schlägt bei kleinen Losen prozentual am stärksten durch. Gerechnet wird sie als Rüstgrundzeit plus Rüstverteilzeit plus Rüsterholungszeit (t_r).
S
SOLL-Zeit
ZIELGRÖSSE
Aus zuvor ermittelten Zeiten abgeleitete Zeit. Wird im Arbeitsplan, in Kalkulationen und Planungen sowie als Vorgabezeit im Leistungslohn verwendet.
SVZ
VERFAHREN
Systeme vorbestimmter Zeiten, etwa MTM oder das Work-Factor-System.
T
te
EINHEIT
Zeit je Einheit. te 100 bedeutet: Zeit für 100 Stück.
tg
EINHEIT
Grundzeit — Ist-Zeit multipliziert mit dem Leistungsgrad.
U
Unternehmensberater
BERUFSFELD
Berät andere Unternehmen als Dienstleistung — zu Management, fachlichen Entscheidungen, Ingenieurleistungen oder Personalfragen.
V
Verteilzeit
ZUSCHLAG
Zeiten, die unregelmäßig anfallen: Material holen, Werkzeug tauschen, Rückfragen. Wird als Zuschlag erhoben — sachlich, nicht geschätzt.
Vorgabezeit
ZIELGRÖSSE
Sollzeit für von Menschen und Betriebsmitteln auszuführende Arbeitsabläufe, inklusive Zuschläge. Gehört zum Fertigungsauftrag und ist Grundlage für Kalkulation, Planung und Entlohnung.
W
Wirtschaftlichkeit
KENNZAHL
Verhältnis zwischen erreichtem Erfolg und dafür eingesetzten Mitteln. Über 1 bedeutet Wertzuwachs, genau 1 kostendeckend, unter 1 Verlust.
Z
Zeitaufnahme
VERFAHREN
Siehe Zeitstudie.
Zeitaufnahmebogen
WERKZEUG
Formular für die manuelle Zeitstudie. Heute weitgehend durch Softwarelösungen abgelöst.
Zeitermittlung
OBERBEGRIFF
Oberbegriff über die Methoden zur Ermittlung von Zeiten für Ablaufabschnitte: Ist-Zeiten erfassen und Soll-Zeiten bestimmen. Ziel ist in der Regel eine Sollzeit für Kalkulation oder Vorgabe.
Zeitgrad
KENNZAHL
Verhältnis von vorgegebener Sollzeit zu erzielter Ist-Zeit, berechnet als Quotient der Summen über eine Periode. Besondere Bedeutung im Akkordlohn.
Zeitstudie
VERFAHREN
Methode der Zeitermittlung: Sollzeiten werden durch Messen und Auswerten von Ist-Zeiten ermittelt. Im deutschsprachigen Raum gängig nach REFA-Methodenlehre.
Zeitwirtschaft
OBERBEGRIFF
Teilgebiet der Arbeitsvorbereitung. Umfasst Zeitstudien, Planzeiten, MTM-Analysen, Arbeitsplatzgestaltung und Entlohnung.
ε
Epsilon
STATISTIK
Statistische Genauigkeit einer Stichprobe. ε = ± 5 % heißt: Der wahre Mittelwert liegt höchstens 5 % vom Stichprobenmittel entfernt, bei 95 % Aussagewahrscheinlichkeit.